Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fast Foot Kette verklagt
BBTH1890
14.07.2004, 22:24
Hey,
wollte mal Eure Meinung darüber hören.
Eine Frau in Amerika hat ja ein bekanntes Fast Foot Restaurant verklagt, da sie diesem die Schuld an ihrem Übergewicht und an ihren Krankheiten gibt. Das ist ja nichts neues.
Aber ein anderer wollte das testen und hat sich über ein paar Monate nur von der Kost dieses Restaurantes ernährt. Das Ende war er hat 25Kg zugenommen und sein Arzt riet ihm eben damit schnellstens aufzuhören wenn er noch länger leben möchte.
Meine Meinung dazu: Es soll ja jeder das machen was ihm gefällt. Aber dann andere dafür verantwortlich machen, was man selber "falsch" gemacht hat. Das finde ich geht zu weit. Klar würde man Umfragen glauben, hätten diese Fast Food Ketten bestimmt nicht den Erfolg. Ich bin ja auch keinem Böse, der da hingeht, dann müsst ich mir ja gelegentlich auch böse sein.
Ich wollt einfach mal Eure Meinungen dazu hören. Hat die Frau recht mit ihrer Klage oder seit ihr der Meinung, dass das Humbug ist.
Von dem zweiten Fall ganz zu Schweigen.
Ciao
BBTH1890
Tja, ich finde es schon etwas gewagt, andere für seine Ernährungsfehler verantwortlich zu machen. Ich kann ja auch kaum aus dem Fenster springen und meinen Vermieter dann für meine Frakturen verantwortlich machen.
ich denke das problem liegt ganz wo anders - nämlich darin, daß dieses "essen" zu wenig nährstoffe + zusätzlich zu viel fett und zucker enthält, so daß es zu einer mangelernährung+übergewicht kommen MUSS. schnelles, fettiges,sattmachendes und auch kalorienarme lebensmittel und getränke, sowie chemisch/genetisch veränderte lebensmittel sind der "renner" in den usa - und es wird so getan, als würde da kein zusammenhang klar, weil die "lebensmittel"industrie mit diesem minderwertigen frass millionen verdient. bei den geringen verdienstmöglichkeiten, die der großteil der bevölkerung nun mal hat, ist es oftmals gar nicht möglich um diese art der billigen essensbeschaffung herumzukommen. viele haben 3-4 low money jobs und leben trotzdem unter der armutsgrenze.
als ich in den staaten bei mc do war, kostete da ein viertelpfünder, wie er da heißt, lediglich 85 cent(!). in dem zuge finde ich es fatal den leuten zu unterstellen, sie seien ja "selber schuld".die sache ist schon weitaus komplexer und nicht mit dem wischi waschi slogan:"selber schuld, wenn du so fett bist" abzutun.
ich mag solche pauschalisierungen nicht!
Stöpsel
herrmurmel
14.07.2004, 22:50
Ja. In den USA ist gerade für die sozial schwachen nur schwer möglich, sich von etwas anderen zu ernähren, da dieses ganze Fast Food Zeug nicht nur an jeder Ecke erhältlich ist, sondern auch billig ist.
Ich finde es absolut unmöglich, dass viele Menschen in Amerika mit ihrer Klage durchkommen. Wie kann man sich auch nur von Fast Food ernähren? Ist mir absolut unbegreiflich. Wenn die Frau (und auch viele andere) nicht ganz dumm sind, können sie sich ja denken, dass das Zeug ungesund ist und dick macht.
Jeder ist für sich selbst verantwortlich. In Amerika läuft so vieles falsch. Ich habe schon gelesen, dass verletzte Einbrecher die Opfer auf Schadensersatz verklagt haben, weil sie in der Garage eingeschlossen waren. Die Opfer mussten tatsächlich Schadensersatz zahlen. Das kann nicht normal sein!
hi ihrs,
also ich halte sicher nicht alles gut was da so in amerika an klagen läuft, aber die Geschichte mit der Klage gegen Mc D halte ich schon für eine gute Sache - insbesondere auch wegen des Medienrummels drum herum - denn sorry aber mal ganz ehrlich - wieviel "selbst-verantwortung" darf man einem Menschen aufbürden? insbesondere wenn er erst "viel zu spät!" aufgeklärt wird über die folgen von "Falschem Ess-Verhalten" und wenn es wie ja schon beschrieben auch eine Finanzfrage - und das NICHT NUR in den USA ist, ob man sich dann an das "gesunde Essen" zu halten in der Lage sieht - bzw es "nicht finanzierbar" ist....
ich persönlich finde das durch diese Klage sehr viel gewonnen werden kann - egal wie sie ausgeht - einfach nur dadurch das die Diskussion darüber mal so richtig angekurbelt wird.
cailly *die selbst gerade erlebt wie schwierig eine halbwegs gesunde Ernährungsweise zu finanzieren ist, wenn man "ARM" ist*
cailly
Gloriaviktoria
15.07.2004, 09:25
Hallo,
ich bin der Meinung, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Dabei fällt mir ein ganz ähnlicher Fall in Deutschland ein, wo einer doch Coca Cola und irgendeinen Süßigkeitenhersteller verklagt hat, weil er die für sein Diabetes verantwortlich gemacht hat. Dazu kann ich nur sagen: wer ernsthaft glaubt, dass regelmäßig Fast Food, Snickers und Cola gesund sind und dann plötzlich feststellt, dass dem nicht so ist, muss mit Scheuklappen durchs Leben gerannt sein.
Außerdem muss man gar nicht mal nach Amerika schauen, unsere Nachbarn in Großbritannien machen es uns ja vor. Da stopfen sich die Schulkinder auf dem Weg zur Schule schon die Schokoriegel und Chipsbeutelchen rein. Ich habe ein Jahr in Schottland gelebt, habs also hautnah mitbekommen.
Gruß, Gloriaviktoria
Über den oben angesprochenen Kinofilm "Super Size Me" gibt es unter "Medien" einen eigenen Thread.
Ansonsten bin ich prinzipiell schon für Selbstverantwortlichkeit, bekomme aber immer mehr den Eindruck, dass die meisten Leute damit überfordert sind. Siehe z. B. das sorglose Autofahren, weil die Strafen für Gesetzesübertretungen (von überhöhter Geschwindigkeit bis Alk am Steuer) lächerlich niedrig sind. Unverantwortliche FahrerInnen reissen aber oft Unschuldige aus dem Leben - sollte man diese nicht mit Gesetzen/Regeln und Strafen bei Nichteinhaltung schützen?
Ich geb zu, der Vergleich hinkt ein wenig - sich ungesund Ernährende (müssen nicht unbedingt dick sein) schaden im Allgemeinen nur sich selbst. Aber schon bei den Rauchern leidet auch das Umfeld. Was ist also wichtiger - die Selbstbestimmung und -verwirklichung oder der Schutz der Opfer?
hallo Beebee,
also zum Thema bei Rauchern leidet auch das Umfeld - dazu kann ich nur sagen das ich mehr als gute Gründe hatte mit dem Rauchen an zu fangen - das erstemal als ich 11 war um mit den "hungerschmerzen" durch aufgezwungenes Fasten zurecht zu kommen, später als mittel zum "beruhigen" und um "annerkannt" zu werden - das ich davon nun nicht alleine loskomme und hilfe nie erhalte - ausser guten ratschlägen die echt wahnsinnig viel nutzen *ironie off* - ist nunmal ein Problem das von allen Seiten geleugnet wird - wenns nämlcih sooo einfach wäre mit dem Aufhören, gäbe es sicherlich schon lange nicht mehr so viele Raucher....
abgesehen davon sind Alkoholiker zwar nur bezogen auf ihr "direktes Umfeld" doch wohl erheblich gefährlicher als "raucher" - oder? zumindest ist das MEINE Erfahrung und Opferschutz ist hierzulande kaum mehr als "ein Witz"....besonders auch wenn es um so gravierende Übergriffe wie sexueller Mißbrauch, Mißhandlungen usw. geht - da gibt es wenn überhaupt höchsten mal akut-Fälle wo ein wenig "hilfe" kommt....im allgemeinen werden "Solche Opfer" aber nur mit Vorwürfen konfrontiert weil sie langfristig "krank an köper & seele" sind und dadurch ja "dem Allgemeinwohl" nicht dienen sondern nur zur Last fallen.
cailly *die weiß wovon sie schreibt*
Sonnenkuss
15.07.2004, 11:20
Sagt mal, is´ Fastfood in Amerika wirklich soooooooo billig wie immer behauptet wird? Das Sozialschwache sich damit günstiger ernähren können als von normalen Lebensmitteln?
Also bei uns is´ McDoof & Co ja wohl eher ein teurer Spaß, den ich mir ab und an mit meiner Tochter gönne. Ich bin dann jedesmal erstaunt, dass ich für´s gleiche Geld auch schier ´nen Schweinebraten mit Knödel kriegen würde.
Hallo Cailly,
natürlich gibts mehr als genug Gründe für das Rauchen. Und es ist genau so "einfach" damit aufzuhören wie Gewicht zu verlieren *haha*. Am besten finde ich Aussagen wie "aber du hättest die ganze Schoko doch gar nicht essen brauchen!" (Die Analogie "und du hättest die ganzen Zigaretten doch gar nicht zu rauchen brauchen!" kommt meist nicht so gut an - Blödsinn sind beide Aussagen.
Trotzdem wird beim Rauchen das Umfeld in Mitleidenschaft gezogen. Das ist eine unbestreitbare Tatsache. Deshalb bin ich auch für Rauchverbote an bestimmten Orten (zB Krankenhaus), an anderen (öffentliche Lokale) finde ich sie unnötig (Stichwort Selbstbestimmung).
Dass die Folgen von Alkoholismus weitaus gravierender und schlimmer für die Opfer sind, ist selbstverständlich vollkommen richtig. Ich weiss nur nicht, ob da Regelungen wie extreme Verteuerung von Alk (zB Skandinavien) da die gewünschte Wirkung zeigen (zB weniger Alkoholismus). Hat da jemand Infos?
Schlumpfine
15.07.2004, 11:36
Hab's unter "Supersize me" schon mal geschrieben. Die Klage gegen McD kam schon letztes Jahr und ist inzwischen niedergeschlagen worden.
Und das finde ich ganz gut (nicht wegen McD sondern wegen den Klagen ganz allgemein). Der Anwalt hatte nämlich gar nicht damit gerechnet, gegen die Kette zu gewinnen, sonst hätte er auch Wendy's, Taco Bell oder Dunkin' Donuts verklagen können. Er hat sich extra den größten und finanzkräftigsten Konzern rausgesucht. Die Hoffnung war nämlich, daß McD einen Vergleich schließt und ein paar Millionen zahlt um keinen medienträchtigen Prozess führen zu müssen (eigentlich so ähnlich, wie die Story mit Michael Jackson vor ein paar Jahren). Das ist leider das, woran das amerikanische Rechtssystem hängt. Die Klage wird erst mal zugelassen, auch wenn sie keine Chance auf Erfolg hat. Das das dem "Angeklagten" auch schaden kann, nimmt man in Kauf. Und die müssen sich dann eben freikaufen.
Was Fast Food Preise in den USA angeht, das Essen ist tatsächlich viel billiger als alles andere, und vor allem auch viel schneller. Da viele armen Leute meistens zwei Jobs haben, 12 oder 14 Stunden am Tag arbeiten (6 Tage die Woche) und dann auch noch Kinder versorgen ist das eben einfacher.
Ich habe selbst in den USA gelebt und meine beste Freundin kommt aus Boston. Und obwohl sie versucht, ihre Kinder gesund zu ernähren und fast immer selbst kocht, gibt es doch ein oder zweimal die Woche "Fast Food", weil sie es zeitlich mit ihrer Arbeit sonst gar nicht schafft. Allerdings ist es bei ihr dann meistens KFC oder so was, wo man Salat und Nudeln oder Kartoffelbrei zu den Menüs bekommt. Immer noch nicht supergesund, aber besser als Burger.
Gruß
Schlumpfine
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