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Alt 15.04.2016, 18:11   #16
Fräulein Wunder
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Evetuell ist im Leitfaden der ehemaligen Initiative Dicke Düsseldorf die eine oder andere Anregung dabei was in dem Brief stehen könnte. Ich hoffe es ist okay wenn ich den Flyer hierher kopiere. Es ist eine Copyright-Angabe dabei und es ist ja immerhin für einen guten Zweck. Diese Dinge sind ja leider noch immer hochaktuell.
Zitat:

Der dicke Patient
Leitfaden für medizinisches Personal bei der Behandlung dicker Patienten

Viele dicke Menschen vermeiden es, präventive Gesundheitsmaßnahmen zu ergreifen. Wenn Krankheitssymptome auftreten, gehen sie nicht zum Arzt, da sie meist zuerst einen Vortrag zum Thema „Gewichtsreduktion“ zu hören bekommen, ohne dass näher auf ihre Symptome eingegangen wird. Sie müssen auch befürchten, dass die medizinische Ausstattung die Ansprüche ihres Körpers nicht erfüllt (zu kleine bzw. zu enge Behandlungsstühle etc.).

Dieser Leitfaden soll Ihnen Informationen aus der Sicht dicker Menschen zur Verfügung stellen, die sowohl Ihnen als auch dicken Menschen die Behandlung erleichtern sollen.

Die wichtigste Grundregel ist eigentlich, sehen Sie den dicken Menschen nicht einfach nur als Träger eines Risikofaktors, sondern in erster Linie als einen Patienten wie jeden anderen auch.

Bitte verschreiben Sie keine Medikamente zum Abnehmen, deren Wirkungsweise und Nebenwirkungen noch nicht oder nicht ausreichend erforscht sind. Weisen Sie Ihren Patienten ausführlich auf die Nebenwirkungen hin.

Bitte verfolgen Sie die Publikationen über Adipositas, damit Sie Ihren Patienten immer nach dem neuestem Stand der Forschung behandeln.

PRINZIPIEN DER GESUNDHEITSVORSORGE

Einstellung
  • Als verantwortlicher Gesundheitsfürsorger sollten Sie davon ausgehen, dass jeder Ihrer Patienten ein Individuum ist. Das gilt natürlich auch für dicke Patienten, die womöglich Behandlungen vermeiden, da sie grundsätzlich „Abnehmen“ als Standard-Therapievorschlag bekommen. Wäre Abnehmen so einfach und müsste man hinterher nicht damit rechnen, wieder mehr zuzunehmen (Jojo-Effekt), hätten es viele Dicke sicher schon getan.
  • Dicke Patienten fühlen sich oft von Ärzten nicht ernst genommen. Deshalb bitten wir Sie, Ihnen besonderes Taktgefühl und Sorgfalt entgegen zu bringen. Bitte beachten Sie, dass viele dicke Menschen jahrelang nur negative Erfahrungen mit medizinischem Personal und Ärzten gemacht haben. Manchen wurden Behandlungen verweigert oder Sie wurden aufgrund ihres Dickseins „falsch“ behandelt.
  • Bitte beachten Sie, dass viele medizinische Studien darauf hinweisen, dass dauerhaft mit Übergewicht zu leben gesünder ist als ständige Gewichtsschwankungen. Auch wird angenommen, dass Abnehmen für gesunde Dicke schädlich sein kann.

Das Wiegen der Patienten

  • Wiegen Sie dicke Patienten nicht automatisch, sondern nur, wenn es therapeutisch erforderlich ist.
  • Wenn Sie einen dicken Patienten wiegen müssen, achten Sie bitte darauf, dass dies in einer geschützten Umgebung geschieht und nicht an einem Ort, wo andere Patienten oder Personal es sehen oder hören können.
  • Tragen Sie das Gewicht ohne Kommentar ein.

DIE BEHANDLUNG

Diagnostik

  • Es sollten verschieden große Manschetten zur Blutdruckkontrolle vorrätig sein. Die Verwendung einer zu kleinen Manschette bei dicken Patienten kann zu einem verfälschten Wert führen.
  • Des Weiteren ist es von Vorteil, längere Nadeln und Stauschläuche für die Blutentnahme oder für Injektionen bei dicken Patienten vorrätig zu haben.
  • Nehmen Sie bitte nicht automatisch an, dass die Ursache der Symptome eines dicken Patienten sein Gewicht ist. Auch bei dicken Patienten sollten Sie die gleichen diagnostischen Maßnahmen durchführen wie bei schlanken Personen, wenn dieselben Symptome vorliegen.

Therapie

  • Bestehen Sie nicht darauf, dass ein dicker Patient abnimmt, wenn er sich mit seinem Gewicht wohl fühlt und die Ursache der Erkrankung nicht beim Gewicht liegt.
  • Achten Sie bei der Dosierung von Medikamenten darauf, dass manche dicken Patienten empfindlich oder allergisch auf die Verabreichung von kleinen Medikamentenmengen reagieren. Andere brauchen aufgrund des höheren Gewichts auch eine höhere Dosierung.

RÄUMLICHE AUSSTATTUNG

Wartezimmer

  • Stellen Sie im Wartezimmer stabile Stühle ohne Armlehnen auf. Lassen Sie, wenn möglich, einen Abstand von 10 -15 cm zwischen den Stühlen.

Behandlungszimmer

  • Untersuchungsstühle sollten breit und so befestigt sein, daß sie nicht kippen, wenn eine schwere Person sich darauf setzt. Auch sollte ein stabiler Hocker oder Tritt dem dicken Patienten helfen, auf den Behandlungstisch zu steigen.
  • Stellen Sie den Patienten, falls erforderlich, passend große Behandlungs- bzw. OP-Hemden zur Verfügung. Das wird besonders in deutschen Krankenhäusern bislang vermisst.

Vielen Dank für Ihre Rücksicht und Ihr Verständnis!

In Anlehnung an: „Guidelines for Health Care Providers in Dealing with Fat Patients“, NAAFA, USA (Internet:
www.naafa.org)

Bitte drucken Sie sich dieses Faltblatt aus und geben es Ihrem Arzt.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zum Thema? Kontakt und Informationen:

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